Dienstag, 5. Mai 2009

A4e-Geschäftsbedingungen: Abwesenheit

"Sie sind nicht dazu berechtigt, dem Programm fernzubleiben. Sollte es dennoch vorkommen, dass Sie dem Programm nicht beiwohnen können, müssen Sie ein Fehlzeitenbeleg, der von einem A4e-Mitarbeiter genehmigt wurde, vorlegen."


Nie, nie, wirklich nie niemals würde es mir in den Sinn kommen, von dem Programm, welches mein Leben vergoldet, fern zu bleiben. Selbst wenn ich im Sterbebett läge, beide Arme und Beine amputiert bekäme, so würde ich sogar auf Brustwarzen den Weg auf mich nehmen und mich notfalls sogar mit meiner Zunge am Bordstein bis zum A4e-Office schleifen. Ehrlich - ich schwöre!

Urlaub gibt es selbstverständlich in der 9 Monate währenden Maßnahme nicht. Aber das versteht sich von selbst. Schließlich habe ich mich die letzten Jahre als alleinerziehende Mutter von drei Kindern genug ausgeruht. Und wenn mal eins der Plagen Geburtstag hat, kann es den ja schließlich mit den Kellerasseln verbringen.

In den Ferienzeiten bietet es sich an, die Kinder morgens direkt auf die Straße zu jagen, sind ja nicht soviel Autos, dafür um so mehr Kinder unterwegs. Ein Care-Paket häng ich den Kindern dann um den Hals, das funktioniert ja bei Bernersennen schließlich auch. Im Winter gibts statt Leitungswasser eben heißen Tee mit Rum, das sollte vor Frostbeulen schützen.

Die Geschäftsvereinbarung lässt mich zu "Abwesenheit aus besonderen Gründen" wissen:

"Sollten Sie eine Freistellung ... aufgrund eines Notfalls zu Hause oder Ähnlichem benötigen, beantragen Sie diesen über das entsprechende Formular."


Ich bete zu Gott, dass ich über den Notfall vor Eintritt bereits informiert werde, denn bekannterweise werden Anträge nicht rückwirkend bewilligt. Ich fühle mich so gut, wie nie zuvor. Denn ich weiß: A4e will nur mein Bestes.

Bei Verspätungen rufe ich natürlich "schnellstmöglich das A4e-Büro" an und dass ich mein Handy sowieso während der "Teilnahme am A4e-Programm abgeschaltet habe bzw. auf lautlos gestellt" habe, ist mir eine Ehre. Einen Notfallanruf der Kinder kann man freilich auch auf die Abendstunden verschieben.

A4e-Geschäftsbedingungen: Reisekosten

Die Geschäftsbedingungen informieren, dass wir sogar Reisekosten erstattet bekommen. Wir "Kunden" sind dazu verpflichtet, die Anfahrt mit dem "preiswertesten Transportmittel" anzutreten.

Leider ist mein Fahrrad kaputt und ein Maultier besitze ich nicht. Mein schlechtes Gewissen steigt sofort von Null auf Hundert, weil ich den 1-stündigen Weg nur mit den Öffentlichen antreten kann. Bisweilen habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, wo ich meine Kinder schallisoliert anketten kann. Ich muß das A4e-Budget für Fahrtkostenrückstattung bis zum Anschlag ausschöpfen. Es tut mir so leid!

Der A4e-SuperCoach Ulli teilte uns ergänzend zur schriftlichen Geschäftsbedingung in mündlicher Nebenabsprache mit, dass wir die Fahrtkosten in Vorleistung erbringen müssen und die wahrscheinlich im halbmonatlichen Rhythmus rückerstattet bekommen.

Okay, dann müssen wir wohl schwarz fahren, denn bei täglichen Fahrtkosten von über 10 Euro pro Tag ist dies bei einer Auszahlung von 269,- Euro nicht möglich, da ich meinen Alkohl-, Nikotin- und sonstigen Suchtmittelvorrat ja schließlich regelmäßig aufstocken muß und die Kinder, so leid es mir tut, ja auch noch was zum Essen brauchen.

Zum ersten Mal, seit ich A4e kenne, fühle ich mich wirklich richtig schlecht. Denn nie, nie, nie hatte ich vor, A4e wirtschaftlich zu schädigen.

A4e-Geschäftsbedingung: Unterstützung

Bereits der 1. Satz der A4e-Geschäftsbedingung mutet von hohem Verantwortungsbewusstsein, dem erkennbar vorhandenen Weitblick und stellt den sozialen Charakter des Mille-Multis A4e in den ihm gebührenden Vordergrund. Denn so der 1. Satz:

A4e sieht seine Aufgabe darin, die beruflichen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden in Erfahrung zu bringen und unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände durch individuelle Beratung realisierbare zukunftsorientierte Beschäftigungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“

Ich bin mir sicher, A4e gehört nicht zu den geldgeilen privaten Jobvermittlern, die sich des Wohls des „Kunden“ nur annehmen, damit sie die fette 2.000-Euro-Prämie abkassieren können und bei der Wahl ihrer Methoden nicht gerade zimperlich umgehen.

Bei A4e wird es mir gut gehen und ich fühle mich so gut aufgenommen wie noch nie in meinem Leben je zuvor.

Verheißungsvoll lese ich dann im nächsten Abschnitt, dass die von A4e bei „Kunden“, die mit „spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert“ sind, „zusätzliche Unterstützung“ anbieten, um diese „Schwierigkeiten zu beseitigen bzw. zu minimieren“.

Ein Angebot, diverse „spezifische Schwierigkeiten“ zu beseitigen bzw. zu minimieren lautet wie folgt:

„Wir weisen Ihnen den Weg zu geeigneten Organisationen, die Ihnen bei der Überwindung Ihrer Probleme mit fachmännischer Hilfe zur Seite stehen.“

Ich jubele vor Freude und werde beinahe hysterisch bei dem aufkeimenden Glücksgefühl, während meine am Telefon sicher vor Neid erblassende Freundin aus Frankreich mir gewiss am liebsten den Hals umdrehen möge.

Bekomme ich endlich das Geld für die bisher nicht finanzierbaren Weight-Watchers-Seminare? Angemessene, vorzeigbare Kleidung? Eine Haushälterin? Eine Kinderfrau? Die ein oder andere Schönheits-OP? Einen unterwürfigen Ehemann, der mich im 7. Himmel schweben lässt und mir all seine goldenen Kreditkarten zur freien Verfügung erlässt und auf dem Beifahrersitz die Klappe hält, wenn´s mal wieder mit dem Einparken nicht klappt?

Vielleicht reicht es aber auch, wenn A4e mir Kontakte zu einem Haremsvorsteher in den Vereinigten Arabischen Emiraten herstellt. So ein wohlhabender Scheich würde ja mit einem Schlag all meine Probleme lösen. Und dicke Frauen sind ja schließlich in arabischen Ländern gern gesehen.

Ich freue mich, dass A4e sein Versprechen mit folgendem Satz besiegelt:

„Sollten Sie die oben aufgeführten Hilfeleistungen benötigen, wird Ihre Situation mit Ihnen auf individueller Basis besprochen.“

Ich hoffe nur, dass es nicht nur beim „Besprechen“ bleibt!!!

Montag, 4. Mai 2009

improving people´s live

Obgleich wir alle, also die anwesenden "Kunden" uns bereits - wenigstens theoretisch - die Geschäftsvereinbarungen anhand der aufgelegten Over-Head-Folien haben durchlesen können, während SuperCoach Ulli, dessen Nachname mir verborgen blieb, uns gleichzeitig in andächtigem Beinahe-Flüstermodus Ähnliches erklärt, bekommen wir im Anschluss an die Flut von Folien das "Schriftliche" ausgehändigt.

Das "Schriftliche" ist eine 5-seitige, mit größtmöglicher Akribie zusammengetackerte A4e-Geschäftsbedingung, von Rhetorik-Guru Ulli liebevoll als "Spielregeln" tituliert.

Das Lesen des schriftlichen Meisterwerks hebe ich mir für zuhause auf, damit nicht nur ich, sondern auch mein Wohnraum mit all dem von A4e in Aussicht gestellten ganzheitlichen Feeling of "improving peoples´s live" ausgestalten zu können.

Zugegeben, als Vollblut-Hartzi hab ich keinen blassen Schimmer, was "improving people´s live" eigentlich ist, aber macht nix, hört sich ja trotzdem auf alle Fälle super an.

Nachdem ich meine Kinder ins Bett gebracht habe, buzze ich meine in Frankreich lebende Freundin über den Messi an. Sie möge mich bitte anrufen, denn im Gegensatz zu mir kann sie sich eine Euro-Flat leisten. Schließlich soll A4e bereits in Frankreich etabliert und sehr erfolgreich sein. Und für den Fall der Fälle ist es für meine Freundin sicher hilfreich zu wissen, von wem sie sich künftig improven lassen kann.

Ich rezitiere ihr die Geschäftsbedingungen länderübergreifend und global und merke, wie sie mich um den neuen Glanz in meinem Leben beneidet.

Auch wenn daran unsere Freundschaft möglicherweise zerbrechen mag, ich vertraue weiter auf A4e und fühle mich gut aufgehoben.

Kiffen, Koksen, Saufen, Prügeln - jaaa, so sind wir Assis eben

Dass wir "Kunden" natürlich an den überwachten (!) A4e-Computern keine Finanzgeschäfte abwickeln dürfen, keine Sexseiten aufrufen, keine Bestellungen tätigen, nicht essen, rauchen, trinken und selbstverständlich wir auch nicht vollgesoffen, bekifft, zugekokst zur Maßnahme erscheinen und wir weder in den A4e-Räumlichkeiten klauen oder uns prügeln dürfen, versteht sich für SuperSozialCoach Ulli von selbst.

Es tut so gut, dass wir das nochmal so gesagt bekommen, denn es ist ja deutschlandweit bekannt, dass wir Hartzis alle Assis sind und die großzügig-oppulenten Hartz-4-Geldgeschenke lediglich dazu nutzen, um uns ordentlich einen hinter die Lampe zu kippen, die Lungen teeren und uns rund um die Uhr den Luxus gönnen, den ganzen Tag das Hirn mit Drogen zu benebeln und allenfalls in den Pausen zwischen den einzelnen Trips unseren kriminellen Adern fröhnen, ein paar Überfälle machen und ein paar Prügeleien anzetteln.

Die von A4e ausstrahlende, beinahe mütterlicher Fürsorge gleichkommende Geborgenheit erfüllt mein kaltes Herz mit Freude und Wärme.

Ich fühle mich hier einfach rundum wohl, geborgen und gut aufgehoben und ich habe keinesfalls den Eindruck, hier diskriminiert zu werden, oder etwa, dass das nachfolgende Zitat der Drohung gleich kommt: "Wenn ihr nicht bedingungslos spurt, dann sorgen wir dafür, dass es Sanktionen hagelt.".

"Über die Maßnahme muss A4e einmal die Woche beim Jobcenter dokumentieren."

SuperCoach Ulli: Rhetoriker der 1. Güte

Unmittelbar bei Erstkontakt ist mir klar: Supercoach Ulli ist ein Rhetoriker der 1. Güte.

Mein persönlicher SuperCoach beweist über die gesamte Distanz des Welcomes, dass er rhetorisch über alle Maße geschult ist und es versteht, in meisterhafter Kompetenz verbale Ausweichmanöver zu fahren.

"Wir holen euch da ab, wo ihr euch befindet."

Allein dieses rhetorische Meisterwerk, das nicht etwa bedeutet "Wir spielen Chauffeur und leisten Fahrdienst!" zeugt von intellektuell angewandter Vertrauen bildender Fähigkeit und signalisiert:

"Ich bin euer Freund und nehme dich und all deine Belange ernst."

Auch das gekonnte Wortmanöver "Geschäftsregeln - auch genannt `Spielregeln´" hauchen der Maßnahme die versprochene "Positive Atmosphäre" ein und lassen jeden Anflug des Gefühls "Zwangsmaßnahme" direkt im Keim ersticken.

Selbst als eine meiner Sitznachbarinnen aus dem Stuhlkreis gegen Ende des Welcomes unvermittelt die Frage einwirft, worum es denn jetzt hier im Allgemeinen ginge, sie habe das noch nicht richtig mitgekriegt und was wir jetzt hier lernen sollten, ließ sich Rhetorik-Guru Ulli nicht aus der Fassung bringen und stellte die nachfolgende Antwort diesem Zwischeneinwurf entgegen:

"Wenn Sie damit einverstanden sind, erzähl´ ich Ihnen das gleich noch mal alleine, das würde jetzt hier den Rahmen sprengen."

Leider kam es dazu nicht mehr. Schade, denn auch ich, die ja nun jahrelang aufgrund der Kindererziehung bildungs-, gesellschafts- und kommunikationsfern gelebt hat, bin noch nicht wirklich dahinter gestiegen, wie denn nun A4e mich fördern, trainieren, coachen, beraten und wieder gesellschaftstauglich machen will.

Ich bleibe dennoch optimistisch und setze all mein Vertrauen in die Kompetenz von A4e. Ich entschließe mich, zuhause noch einmal den Flyer zu lesen und die Website von A4e zu besuchen. Das wird mein Bewusstsein sicher öffnen.

Softkills, Raketen und die Maschineneinweisung

Gut eine Stunde redet nun SuperCoach Ulli in leisem, becircend-monotonen Ton. Die "Kunden" lauschen noch immer gebannt Ullis andächtigen, aber keinesfalls einlullenden Worten und es ist davon auszugehen, dass Ulli mit seinen Ausführungen zu "Geschäftsbindungungen" das Ende des Welcoms einläutet.

Doch dann schwenkt Ulli, der zwischenzeitlich mein volles Vertrauen genießt, abrupt auf ein mir verdächtig erscheinendes Thema um, nämlich die Pflicht, sich unbedingt vor Arbeitsaufnahme in die Maschinen einweisen zu lassen.

Was hat Maschinenarbeit denn bloss mit Bewerbungstraining zu tun? Und wäre es nicht ohnehin die Pflicht des Arbeitgebers - vorausgesetzt man kommt überhaupt in Arbeit - den neuen Mitarbeiter , insofern er Maschinenarbeit verrichtet, gewissenhaft in die Maschinenarbeit und notwendige Sicherheitsmaßnahmen einzuführen?

Hat A4e ein derart großes Selbstvertrauen, dass davon auszugehen ist, dass das auf 9 Monate angelegte "Bewerbungstraining" innerhalb kürzester Zeit alle "Kunden" in Arbeit bringen wird? Mir fällt wieder ein, dass von "Softkills" die Rede war und auch, dass dieser Begriff von einem deutschen Raketen-, Rüstungs- und Panzerhersteller gebraucht wird.

Dennoch fühle mich plötzlich richtig gut aufgehoben und bin immer noch optimistisch.

Die Bedenken, dass A4e aus uns "Kunden" Fließbandarbeiter machen will - vielleicht sogar bei besagtem Raketen-, Rüstungs- und Panzerhersteller, der sogar Handgranaten und Mikrowellenfahrzeuge herstellt, unterwerfen sich meinem gnadenlosen Optimismus und der obsiegenden Zuversicht, dass A4e mein Leben mit neuem Glanz erhellen wird.

Immerhin, selbst wenn wir "Kunden" von A4e in Werkshallen des Rüstungsausstatters vermittelt werden, müssen wir A4e dankbar sein, dass SuperCoach Ulli uns in 60 Sekunden in die Geheimnisse von Arbeitsschutzmaßnahmen eingewiesen hat. Das wird uns "Kunden" sicher vor dem Schlimmsten bewahren.

Intim im Team

Die Globalisierung greift um sich. Gute alte deutsche Tugenden und Gepflogenheiten müssen da schon mal weichen.

"Wir sind ursprünglich aus England, da gibt es kein `Sie´ im Vokabular. Wenn Sie damit einverstanden, dass wir uns duzen...."

Ha, nun ist auch klar, warum auf meinem Namensschild, dass mir die Empfangsdame ausgehändigt hat, mein Vorname überdimensional groß, und der Nachname kaum leserlich in Mikroschrift darunter steht.

In zwei Dingen bin ich mir bereits jetzt schon sicher:

1. Ich werde mich ganz sicher nicht von SuperCoach Ulli duzen lassen.
2. Ich werde ganz sicher nicht SuperCoach Ulli duzen.


Die englischen Gepflogenheiten sind mir völlig egal, zumal das persönliche `Du´ in solch formalem und erzwungenen Umfeld idealerweise dazu geeignet ist, die Distanz zu veringern und sich so die Redseeligkeit der "Kunden" zu erschleichen.

Ich werde mir, da mein Drucker kaputt ist, vorerst mein Namensschild mit Edding umändern und so deutlich machen, dass ich einen Nachnamen habe, von dem Gebrauch zu machen ist.

Ganzheitlich - aber bitte bloß nicht mit Kindern

Schnell wird klar, dass die Zusagen der Jobcenter-Fallmanagerin, man sei bei der Maßnahme speziell auf Familie eingestellt, wohl so nicht ganz zutreffend scheint.

Bereits das kahle, spärlich und beinahe schon steril eingerichtete Großraumbüro hat nichtmals eine Spielecke oder gar eine Childs Lounge.

SuperCoach Ulli erklärt uns, das in den kommenden 2 Wochen ein Intensiv-Coaching stattfinden würde, welches aufgrund der hohen Anzahl von Kindern aber von 6 Stunden pro Tag auf drei reduziert würde.

Auf mehrfaches Nachfragen von den anwesenden Müttern wird schnell klar: bringt bloss nicht eure Kinder mit.

Die Frage meiner Sitznachbarin "Was ist, wenn man keine Kinderbetreuung hat?" wird von SuperCoach Ulli rhetorisch gekonnt und mit treffsicherer Bestimmtheit wie folgt beantwortet:

"Dann werden wir die organisieren."


Sicher ist SuperCoach Ulli oder vielleicht auch das gesamte A4e-Team noch nicht ganz genau mit dem deutschen Grundgesetz vertraut, so gibt es doch in unserem, demokratische Werte hoch respektierenden Land das Recht der Natürlichen Erziehung.

Nichts und niemand wird mich zwingen können, dass ich mal eben eine "organisierte" Kinderbetreuung auf meine Kinder los lasse. SuperSozialCoach Ulli weiß mich zu beruhigen und hofft sicher inständig: "Möge diese dicke Frau doch endlich die Klappe halten - die macht mir hier den ganzen Laden wuschig!" - spricht dabei:

"Hier wird keiner gezwungen. Was wir nur erwarten, ist, wenn Sie sich für die Maßnahme entscheiden..."


Nein, die dicke Frau hält nicht die Klappe, denn eine Entscheidung setzt Freiwilligkeit oder mehrere Auswahlmöglichkeiten voraus. Ich sehe mich zu einem weiteren Einwurf genötigt und stelle verständlich für alle anwesenden A4e-Kunden fest:
"Es ist ja keine frei Entscheidung!"

Letzten Endes mußte selbst SuperCoach Ulli mir beipflichten, denn er wollte uns ja schließlich noch darüber aufklären, dass es Sanktionen hagelt, wenn wir uns nicht an die "Spielregeln" halten. Dafür würde man dann Sorge tragen.

Welche das sind, könnt ihr dann in einem Upper-Post lesen.

5:45 Uhr - mein großer Tag beginnt

Die Wecker klingeln um 5:45 Uhr. Aufstehn, duschen, Kinder wecken, Frühstück zubereiten, Kinder anziehen, Wegverzehrung herrichten, Spielzeug einpacken und ab zum Aufbruch in mein neues Leben.

Der Tag fängt bereits beschissen an. Der 1. Bus ist viel zu spät. Wir verpassen den Anschlussbus. Der nächste Bus hat ebenfalls Verspätung und wir kommen fast eine halbe Stunde zu spät. Macht aber auch nix, weil auf dem Antrittsbefehl steht ohnehin keine Zeit und eigentlich ist die Maßnahme, die heute beginnen soll ja ohnehin schon seit 3 Monaten und einem Tag beendet. Also wird man sich bei A4e sicher nicht wegen ein paar Minuten Verspätung ins Hemd machen.

Wir betreten das Büro-Gebäude in der Kastanienallee 95, fahren mit dem roten Aufzug in die dritte Etage. Ein internationales Begrüßungsschild weist uns den rechten Weg, ich öffne die Tür in mein neues Leben.

Eine einfache Empfangstheke in einem kahlen, spärlich eingerichteten Großraumbüro mit grauem Teppech und mit einer freundlich grinsenden Dame bestückt zeigt uns: hier sind wir wirklich gut aufgehoben.

Weiter hinten im Raum sitzt bereits eine Runde von ca. 20 Leuten, die gebannt auf mich starren. Sicher hat man meine Ankunft bereits angekündigt.

Die Empfangsdame gibt mir mein Namensschildchen zur Hand und weist mich an, mich in eine Teilnehmerliste einzutragen.

Ich bitte meine Kinder, sich auf eine der blauen Couchen, die dem kargen und spärlich eingerichteten Raum die im Flyer versprochene "Positive Atmosphäre" einhauchen, niederzulassen und möglichst leise zu sein und setze mich selbst auf einen blauen Stuhl am offenen Kopfende des Stuhlkreises. Ein Gefühl von Geborgenheit und erfüllender Wärme umgibt mich.

Der Sozialcoach Ulli, ein Mann um die 50 in braunem Anzug und braunen Schuhen bittet mich, etwas über meine Person zu sagen.

"Mein Name ist Frau "Ah-vier-eh", ich bin allein erziehend habe 3 Kinder und jetzt muß ich hier her kommen."

Ob die Antwort ihm gereicht hat? Ich beschließe, ich halte jetzt erstmal den Mund und lausche den leisen Worten des Coachs.

Sonntag, 3. Mai 2009

Morgen beginnt mein neues Leben

Morgen startet nun also mein persönliches Training, endlich in meinem Leben klar zu kommen.

A4e soll nun alle Probleme meines Lebens ganzheitlich lösen. Ich bin nun wirklich sehr gespannt und kann es kaum abwarten, in Kommunikation, PC-Anwendung, Konfliktmanagement, Geldmanagement und Zeitmanagement gepusht zu werden.

Ganz besonders freue ich mich natürlich auch auf die angemessenen Klamotten, die ich beim ganzheitlichen Fototermin tragen werden darf, wie es A4e auf seinem Flyer kommuniziert.

Ich habe inzwischen weiter gegoogelt, finde aber keine repräsentativen, oder besser so gut wie keine Informationen. Es hat sich bestätigt: ich benötige offensichtlich in der Tat Coaching zu Recherchearbeiten.

Also habe ich viel Zeit auf der Website von A4e verbracht. All die Gesichter von glücklichen Menschen stimmen mich fröhlich.

Auch die A4e-Websites von Indien, Italien, Südafrika usw. habe ich derzeit besucht. Rund um den Globus strahlen mir auf den A4e-Websites fröhliche Gesichter entgegen. A4e scheint wirklich kompetent in dem All-Over-Coaching zu sein.

Überaus erfolgreich in der Vermittlung von besonders hartnäckigen Hartzis, an denen sich die ARGEN die Zähne ausbeißen, soll A4e sein, so ist es wenigstens auf den A4e-Websites zu lesen.

Ich bin glücklich, dass ich ab morgen A4e habe und mein Leben nun vergoldet werden soll.