Dienstag, 19. Mai 2009
Mein Lebenslauf - kein leichtes Unterfangen
Mein SuperCoach Ulli wies mich beim letzten Meeting an, einen Lebenslauf zu schreiben und mich in Sachen Existenzgründung zu erkundigen.
Der Lebenslauf – ich habe ihn noch nicht geschrieben, weil mir der Name einer Firma, bei der ich in jungen Jahren gearbeitet habe, partout nicht mehr einfallen wollte. Es war eine Firma, dessen Namen lediglich aus drei Buchstaben bestand. Seit einer Woche grüble ich nun nach diesen drei Buchstaben. Die Firma gibt es leider seit etlichen Jahren nicht mehr, die Internetrecherche bringt mich nicht weiter.
Die ganze Woche grübelte ich also hin und her. Wie war gleich der Name? AKW, UKW, FKK, CDU, SED, AGB, KGB – oder waren es vielleicht 4 Buchstaben? LMAA?
Es half nichts! Je mehr ich mich konzentrierte, um so weniger wollte mir dieser Name einfallen.
Ich verließ mich also auf mein persönliches Glück und wußte: alles wird gut! Ich legte das leere Blatt, auf dem ich meinen Lebensverlauf aufzeichnen wollte auf unbestimmte Zeit beiseite und beschloss, den Lebenslauf erst dann zu skizzieren, wenn mir dieser Name mit den 3 Buchstaben wieder einfallen wollte.
Und siehe da – potzblitz – 5 Minuten vor Toreschluß schießt mir der Name ganz spontan in den Kopf.
Es ist nun 23 Uhr und 10 Minuten, mein Lebenslauf ist perfekt und ich kann schlafen gehen.
Mittwoch, 13. Mai 2009
Dienstag, 5. Mai 2009
A4e-Geschäftsbedingungen: Abwesenheit
"Sie sind nicht dazu berechtigt, dem Programm fernzubleiben. Sollte es dennoch vorkommen, dass Sie dem Programm nicht beiwohnen können, müssen Sie ein Fehlzeitenbeleg, der von einem A4e-Mitarbeiter genehmigt wurde, vorlegen."
Nie, nie, wirklich nie niemals würde es mir in den Sinn kommen, von dem Programm, welches mein Leben vergoldet, fern zu bleiben. Selbst wenn ich im Sterbebett läge, beide Arme und Beine amputiert bekäme, so würde ich sogar auf Brustwarzen den Weg auf mich nehmen und mich notfalls sogar mit meiner Zunge am Bordstein bis zum A4e-Office schleifen. Ehrlich - ich schwöre!
Urlaub gibt es selbstverständlich in der 9 Monate währenden Maßnahme nicht. Aber das versteht sich von selbst. Schließlich habe ich mich die letzten Jahre als alleinerziehende Mutter von drei Kindern genug ausgeruht. Und wenn mal eins der Plagen Geburtstag hat, kann es den ja schließlich mit den Kellerasseln verbringen.
In den Ferienzeiten bietet es sich an, die Kinder morgens direkt auf die Straße zu jagen, sind ja nicht soviel Autos, dafür um so mehr Kinder unterwegs. Ein Care-Paket häng ich den Kindern dann um den Hals, das funktioniert ja bei Bernersennen schließlich auch. Im Winter gibts statt Leitungswasser eben heißen Tee mit Rum, das sollte vor Frostbeulen schützen.
Die Geschäftsvereinbarung lässt mich zu "Abwesenheit aus besonderen Gründen" wissen:
"Sollten Sie eine Freistellung ... aufgrund eines Notfalls zu Hause oder Ähnlichem benötigen, beantragen Sie diesen über das entsprechende Formular."
Ich bete zu Gott, dass ich über den Notfall vor Eintritt bereits informiert werde, denn bekannterweise werden Anträge nicht rückwirkend bewilligt. Ich fühle mich so gut, wie nie zuvor. Denn ich weiß: A4e will nur mein Bestes.
Bei Verspätungen rufe ich natürlich "schnellstmöglich das A4e-Büro" an und dass ich mein Handy sowieso während der "Teilnahme am A4e-Programm abgeschaltet habe bzw. auf lautlos gestellt" habe, ist mir eine Ehre. Einen Notfallanruf der Kinder kann man freilich auch auf die Abendstunden verschieben.
A4e-Geschäftsbedingungen: Reisekosten
Leider ist mein Fahrrad kaputt und ein Maultier besitze ich nicht. Mein schlechtes Gewissen steigt sofort von Null auf Hundert, weil ich den 1-stündigen Weg nur mit den Öffentlichen antreten kann. Bisweilen habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, wo ich meine Kinder schallisoliert anketten kann. Ich muß das A4e-Budget für Fahrtkostenrückstattung bis zum Anschlag ausschöpfen. Es tut mir so leid!
Der A4e-SuperCoach Ulli teilte uns ergänzend zur schriftlichen Geschäftsbedingung in mündlicher Nebenabsprache mit, dass wir die Fahrtkosten in Vorleistung erbringen müssen und die wahrscheinlich im halbmonatlichen Rhythmus rückerstattet bekommen.
Okay, dann müssen wir wohl schwarz fahren, denn bei täglichen Fahrtkosten von über 10 Euro pro Tag ist dies bei einer Auszahlung von 269,- Euro nicht möglich, da ich meinen Alkohl-, Nikotin- und sonstigen Suchtmittelvorrat ja schließlich regelmäßig aufstocken muß und die Kinder, so leid es mir tut, ja auch noch was zum Essen brauchen.
Zum ersten Mal, seit ich A4e kenne, fühle ich mich wirklich richtig schlecht. Denn nie, nie, nie hatte ich vor, A4e wirtschaftlich zu schädigen.
A4e-Geschäftsbedingung: Unterstützung
„A4e sieht seine Aufgabe darin, die beruflichen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden in Erfahrung zu bringen und unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände durch individuelle Beratung realisierbare zukunftsorientierte Beschäftigungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“
Ich bin mir sicher, A4e gehört nicht zu den geldgeilen privaten Jobvermittlern, die sich des Wohls des „Kunden“ nur annehmen, damit sie die fette 2.000-Euro-Prämie abkassieren können und bei der Wahl ihrer Methoden nicht gerade zimperlich umgehen.
Bei A4e wird es mir gut gehen und ich fühle mich so gut aufgenommen wie noch nie in meinem Leben je zuvor.
Verheißungsvoll lese ich dann im nächsten Abschnitt, dass die von A4e bei „Kunden“, die mit „spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert“ sind, „zusätzliche Unterstützung“ anbieten, um diese „Schwierigkeiten zu beseitigen bzw. zu minimieren“.
Ein Angebot, diverse „spezifische Schwierigkeiten“ zu beseitigen bzw. zu minimieren lautet wie folgt:
„Wir weisen Ihnen den Weg zu geeigneten Organisationen, die Ihnen bei der Überwindung Ihrer Probleme mit fachmännischer Hilfe zur Seite stehen.“
Ich jubele vor Freude und werde beinahe hysterisch bei dem aufkeimenden Glücksgefühl, während meine am Telefon sicher vor Neid erblassende Freundin aus Frankreich mir gewiss am liebsten den Hals umdrehen möge.
Bekomme ich endlich das Geld für die bisher nicht finanzierbaren Weight-Watchers-Seminare? Angemessene, vorzeigbare Kleidung? Eine Haushälterin? Eine Kinderfrau? Die ein oder andere Schönheits-OP? Einen unterwürfigen Ehemann, der mich im 7. Himmel schweben lässt und mir all seine goldenen Kreditkarten zur freien Verfügung erlässt und auf dem Beifahrersitz die Klappe hält, wenn´s mal wieder mit dem Einparken nicht klappt?
Vielleicht reicht es aber auch, wenn A4e mir Kontakte zu einem Haremsvorsteher in den Vereinigten Arabischen Emiraten herstellt. So ein wohlhabender Scheich würde ja mit einem Schlag all meine Probleme lösen. Und dicke Frauen sind ja schließlich in arabischen Ländern gern gesehen.
Ich freue mich, dass A4e sein Versprechen mit folgendem Satz besiegelt:
„Sollten Sie die oben aufgeführten Hilfeleistungen benötigen, wird Ihre Situation mit Ihnen auf individueller Basis besprochen.“
Ich hoffe nur, dass es nicht nur beim „Besprechen“ bleibt!!!
Montag, 4. Mai 2009
improving people´s live
Das "Schriftliche" ist eine 5-seitige, mit größtmöglicher Akribie zusammengetackerte A4e-Geschäftsbedingung, von Rhetorik-Guru Ulli liebevoll als "Spielregeln" tituliert.
Das Lesen des schriftlichen Meisterwerks hebe ich mir für zuhause auf, damit nicht nur ich, sondern auch mein Wohnraum mit all dem von A4e in Aussicht gestellten ganzheitlichen Feeling of "improving peoples´s live" ausgestalten zu können.
Zugegeben, als Vollblut-Hartzi hab ich keinen blassen Schimmer, was "improving people´s live" eigentlich ist, aber macht nix, hört sich ja trotzdem auf alle Fälle super an.
Nachdem ich meine Kinder ins Bett gebracht habe, buzze ich meine in Frankreich lebende Freundin über den Messi an. Sie möge mich bitte anrufen, denn im Gegensatz zu mir kann sie sich eine Euro-Flat leisten. Schließlich soll A4e bereits in Frankreich etabliert und sehr erfolgreich sein. Und für den Fall der Fälle ist es für meine Freundin sicher hilfreich zu wissen, von wem sie sich künftig improven lassen kann.
Ich rezitiere ihr die Geschäftsbedingungen länderübergreifend und global und merke, wie sie mich um den neuen Glanz in meinem Leben beneidet.
Auch wenn daran unsere Freundschaft möglicherweise zerbrechen mag, ich vertraue weiter auf A4e und fühle mich gut aufgehoben.
Kiffen, Koksen, Saufen, Prügeln - jaaa, so sind wir Assis eben
Es tut so gut, dass wir das nochmal so gesagt bekommen, denn es ist ja deutschlandweit bekannt, dass wir Hartzis alle Assis sind und die großzügig-oppulenten Hartz-4-Geldgeschenke lediglich dazu nutzen, um uns ordentlich einen hinter die Lampe zu kippen, die Lungen teeren und uns rund um die Uhr den Luxus gönnen, den ganzen Tag das Hirn mit Drogen zu benebeln und allenfalls in den Pausen zwischen den einzelnen Trips unseren kriminellen Adern fröhnen, ein paar Überfälle machen und ein paar Prügeleien anzetteln.
Die von A4e ausstrahlende, beinahe mütterlicher Fürsorge gleichkommende Geborgenheit erfüllt mein kaltes Herz mit Freude und Wärme.
Ich fühle mich hier einfach rundum wohl, geborgen und gut aufgehoben und ich habe keinesfalls den Eindruck, hier diskriminiert zu werden, oder etwa, dass das nachfolgende Zitat der Drohung gleich kommt: "Wenn ihr nicht bedingungslos spurt, dann sorgen wir dafür, dass es Sanktionen hagelt.".
"Über die Maßnahme muss A4e einmal die Woche beim Jobcenter dokumentieren."